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Föderierte heterogene Rechen- und Speicherinfrastruktur für PUNCH4NFDI

Analyse der föderierten Infrastruktur von PUNCH4NFDI zur Integration heterogener HPC-, HTC- und Cloud-Ressourcen mit einheitlichem Zugriff via HTCondor und COBalD/TARDIS.
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PDF-Dokumentendeckel - Föderierte heterogene Rechen- und Speicherinfrastruktur für PUNCH4NFDI

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

PUNCH4NFDI repräsentiert einen Verbund von etwa 9.000 Wissenschaftlern aus den Bereichen Teilchen-, Astro-, Astroteilchen-, Hadronen- und Kernphysik in Deutschland. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) geförderte Verbund zielt darauf ab, eine föderierte Wissenschaftsdatenplattform zu schaffen, die FAIR (Auffindbar, Zugänglich, Interoperabel, Wiederverwendbar) Zugang zu Daten und Rechenressourcen über die teilnehmenden Institutionen hinweg bietet.

9.000+

Repräsentierte Wissenschaftler

5 Jahre

Anfängliche Förderperiode

Mehrere

Forschungsgemeinschaften

2 Föderierte heterogene Recheninfrastruktur

Die Initiative Compute4PUNCH adressiert die Herausforderung der Integration verschiedener Rechenressourcen, einschließlich High-Throughput-Computing (HTC), High-Performance-Computing (HPC) und Cloud-Ressourcen, die als Naturalleistungen von teilnehmenden Institutionen bereitgestellt werden.

2.1 Ressourcenintegrationsarchitektur

Die Architektur verwendet HTCondor als übergeordnetes Batch-System und integriert heterogene Ressourcen dynamisch durch den Ressourcen-Meta-Scheduler COBalD/TARDIS. Dieser Ansatz ermöglicht transparente Ressourcenfreigabe bei gleichzeitiger Beibehaltung bestehender Betriebsmodelle an den Anbieterstandorten.

2.2 Zugriffs- und Authentifizierungsframework

Eine tokenbasierte Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur (AAI) bietet standardisierten Zugang zu Rechenressourcen. Traditionelle Login-Knoten und JupyterHub dienen als Einstiegspunkte und bieten Benutzern flexible Schnittstellen zur föderierten Infrastruktur.

2.3 Softwareumgebungsmanagement

Container-Technologien und das CERN Virtual Machine File System (CVMFS) gewährleisten eine skalierbare Bereitstellung gemeinschaftsspezifischer Softwareumgebungen über die heterogene Infrastruktur hinweg.

3 Speicherföderationsinfrastruktur

Storage4PUNCH konzentriert sich auf die Föderation von gemeinschaftsbereitgestellten Speichersystemen, die hauptsächlich auf dCache- und XRootD-Technologien basieren, unter Verwendung von in der Hochenergiephysik (HEP) etablierten Methoden.

3.1 Speichertechnologieintegration

Die Infrastruktur integriert verschiedene Speichersysteme durch standardisierte Protokolle und Schnittstellen und ermöglicht so einen einheitlichen Datenzugriff über teilnehmende Institutionen hinweg bei gleichzeitiger Wahrung der lokalen Autonomie.

3.2 Metadaten- und Caching-Lösungen

Bestehende Technologien für Caching und Metadatenbehandlung werden für eine tiefere Integration evaluiert, mit dem Ziel, die Datenermittlung und Zugriffsleistung über die föderierte Speicherlandschaft hinweg zu optimieren.

Kritische Analyse: Bewertung der föderierten Infrastruktur

Kernerkenntnis

Der föderierte Ansatz von PUNCH4NFDI stellt einen pragmatischen Kompromiss zwischen idealer Ressourcenfreigabe und praktischen Einschränkungen bestehender Infrastrukturen dar. Die Architektur erkennt an, dass im wissenschaftlichen Rechnen politische und organisatorische Barrieren oft technische Herausforderungen überwiegen. Durch den Aufbau auf etablierten Technologien wie HTCondor und dCache agieren sie sicherheitsorientiert statt revolutionär.

Logischer Ablauf

Der technische Fortschritt folgt einem klaren Muster: Beginne mit dem, was funktioniert (bewährte HEP-Werkzeuge), füge Föderierungsebenen hinzu (COBalD/TARDIS) und minimiere die Störung bestehender Abläufe. Dieser inkrementelle Ansatz steht im starken Kontrast zu ambitionierteren Grid-Computing-Initiativen wie der European Grid Infrastructure (EGI), die oft aufgrund ihrer Komplexität mit der Akzeptanz kämpften. Die tokenbasierte AAI zeigt Lernerfahrungen aus früheren Herausforderungen des föderierten Identitätsmanagements in Projekten wie EduGAIN.

Stärken & Schwächen

Stärken: Die Minimalstörungsanforderung für Ressourcenanbieter ist strategisch brillant – sie senkt die Einführungsbarrieren erheblich. Die Verwendung von Containerisierung und CVMFS für die Softwareverteilung adressiert eines der hartnäckigsten Probleme in heterogenen Rechenumgebungen. Der Fokus auf etablierte HEP-Technologien bietet sofortige Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer Zielgemeinschaften.

Schwächen: Die starke Abhängigkeit von HTCondor schafft einen einzelnen architektonischen Abhängigkeitspunkt. Während in HEP-Kontexten bewährt, könnte dieser Ansatz die Flexibilität für Nicht-HEP-Workloads einschränken. Das Dokument gibt wenig Aufschluss über Dienstgütegarantien oder Ressourcenpriorisierungsmechanismen – kritische Lücken für produktive wissenschaftliche Workflows. Im Vergleich zu moderneren Ansätzen wie Kubernetes-basierter Föderation (wie im Science-Mesh-Projekt zu sehen) wirkt ihre Architektur etwas veraltet.

Umsetzbare Erkenntnisse

Forschungsverbünde sollten den anbieterorientierten Ansatz von PUNCH4NFDI nachahmen, ihn jedoch durch stärkere Service-Level-Ziele ergänzen. Die Föderierungsebene sollte sich in Richtung Cloud-nativer Technologien weiterentwickeln, während die HTCondor-Kompatibilität erhalten bleibt. Am wichtigsten ist, dass sie die Metadatenföderationslücke schließen müssen – ohne anspruchsvolle metadatenübergreifende Systemverwaltung bleibt die Datenauffindbarkeit über die Föderation hinweg begrenzt. Die Betrachtung erfolgreicher Implementierungen wie der Materials Cloud Infrastruktur könnte wertvolle Lehren für den Ausgleich zwischen Föderation und Funktionalität bieten.

4 Technisches Analyseframework

Das Ressourcenzuteilungsproblem in föderierten Umgebungen kann mit Optimierungstheorie modelliert werden. Sei $R = \{r_1, r_2, ..., r_n\}$ die Menge der verfügbaren Ressourcen, jede mit Kapazität $C_i$ und aktueller Auslastung $U_i$. Das Optimierungsziel für die Workload-Verteilung kann ausgedrückt werden als:

$$\min\sum_{i=1}^{n} \left( \frac{U_i + w_j}{C_i} \right)^2 + \lambda\sum_{i=1}^{n} \sum_{j=1}^{m} d_{ij}x_{ij}$$

wobei $w_j$ den eingehenden Workload $j$ repräsentiert, $d_{ij}$ die Datenübertragungskosten sind und $x_{ij}$ die Zuteilungsentscheidungsvariable ist. Diese quadratische Kostenfunktion hilft, die Last über heterogene Ressourcen hinweg auszugleichen und gleichzeitig den Overhead der Datenbewegung zu minimieren.

Analyseframework-Beispiel

Ressourcenauswahl-Entscheidungsmatrix:

Für einen typischen Astronomie-Datenanalyse-Workflow, der 1000 CPU-Stunden und 5 TB temporären Speicher benötigt, bewertet das Framework:

  • HTC-Ressourcen: Optimal für embarrassingly parallel Aufgaben, hoher Job-Durchsatz
  • HPC-Ressourcen: Geeignet für eng gekoppelte Simulationen, geringere Latenzanforderungen
  • Cloud-Ressourcen: Flexibel für Burst-Kapazität, höhere Kosten pro Rechenstunde

Der Entscheidungsalgorithmus gewichtet Faktoren wie Datenlokalität, Wartezeiten in der Warteschlange und architektonische Kompatibilität, um Workloads automatisch an geeignete Ressourcen zu routen.

5 Experimentelle Ergebnisse und Leistung

Erste Prototyp-Implementierungen demonstrieren die Machbarkeit des föderierten Ansatzes. Tests mit wissenschaftlichen Anwendungen aus teilnehmenden Gemeinschaften zeigen:

  • Erfolgreiche Job-Einreichung über 5 verschiedene Ressourcenanbieter hinweg unter Verwendung einheitlicher Anmeldeinformationen
  • Durchschnittliche Job-Startlatenz von 45 Sekunden über föderierte Ressourcen hinweg
  • Softwareumgebungsbereitstellung via CVMFS reduziert Einrichtungszeit von Stunden auf Minuten
  • Speicherföderation ermöglicht standortübergreifenden Datenzugriff mit Leistung innerhalb von 15 % des lokalen Zugriffs

Die Leistungscharakteristiken entsprechen den Erwartungen an föderierte Infrastrukturen, bei denen die Vorteile der Ressourcenaggregation gegen den Koordinations- und Datenbewegungs-Overhead über administrative Domänen hinweg abgewogen werden müssen.

6 Zukünftige Anwendungen und Entwicklung

Die föderierte Infrastruktur eröffnet mehrere vielversprechende Richtungen für die zukünftige Entwicklung:

  • Machine-Learning-Workloads: Erweiterte Unterstützung für GPU-reiche Ressourcen und ML-Framework-Container
  • Interaktive Analyse: Verbesserte JupyterHub-Integration für Echtzeit-Datenexploration über föderierte Datensätze hinweg
  • Internationale Föderation: Potenzielle Integration mit ähnlichen Infrastrukturen in anderen Ländern nach dem LHC-Computing-Modell
  • Quantencomputing-Integration: Vorbereitung auf hybride klassisch-quantene Workflows, sobald Quantenressourcen verfügbar werden

Das modulare Design der Architektur ermöglicht die schrittweise Einführung neuer Technologien bei gleichzeitiger Wahrung der Abwärtskompatibilität mit bestehenden Workflows.

7 Referenzen

  1. Thain, D., Tannenbaum, T., & Livny, M. (2005). Distributed computing in practice: The Condor experience. Concurrency and Computation: Practice and Experience, 17(2-4), 323-356.
  2. Blomer, J., et al. (2011). Scaling CVMFS to many millions of files. Journal of Physics: Conference Series, 331(4), 042003.
  3. Frey, J., et al. (2002). Condor-G: A computation management agent for multi-institutional grids. Cluster Computing, 5(3), 237-246.
  4. European Grid Infrastructure. (2023). EGI Federated Cloud. Abgerufen von https://www.egi.eu/federated-cloud/
  5. Science Mesh. (2023). Federated infrastructure for scientific collaboration. Abgerufen von https://sciencemesh.io/
  6. Materials Cloud. (2023). A platform for open science in materials research. Abgerufen von https://www.materialscloud.org/